Laut Metals Focus könnte der Silbermarkt 2027 von einem Defizit in einen Überschuss wechseln, da steigende Lagerbestände und eine schwächere Nachfrage die Angebotsknappheit entschärfen. Zum 30. Oktober 2026 war der Silberpreis in den vergangenen Wochen mehrfach auf neue Tiefststände seit Jahresbeginn im niedrigen 50-Dollar-Bereich gefallen und hatte sich damit schlechter entwickelt als Gold.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Metals Focus erwartet, dass sich das Silberdefizit 2026 verringert und sich 2027 in einen Überschuss verwandelt.
  • Die Bestände in Londoner Tresoren erreichten Ende September 932 Millionen Feinunzen.
  • Hohe Preise belasten die Schmucknachfrage, während Hersteller den Silberverbrauch in Solarmodulen senken.

Der Silbermarkt löst sich aus der Angebotsknappheit

Metals Focus erwartet, dass der absehbare Überschuss die Wahrscheinlichkeit einer erneuten schweren physischen Angebotsknappheit verringert, die die Preise 2025 und Anfang 2026 gestützt hatte. Ein Überschuss bleibt eine Prognose und ist kein bestätigtes Ergebnis.

Die im April veröffentlichte Umfrage des Silver Institute beschrieb eine Liquiditätsknappheit im Oktober 2025 und erklärte, dass die weltweite Silbernachfrage das Angebot das fünfte Jahr in Folge überstieg. In seinem früheren Ausblick für 2026 prognostizierte das Institut für dieses Jahr ein größeres Defizit; die spätere Einschätzung von Metals Focus geht davon aus, dass sich das Defizit verringern wird.

Lagerbestände steigen, während die Investmentnachfrage abkühlt

Von den 932 Millionen Feinunzen in den Londoner Tresoren Ende September standen etwa 267 Millionen Unzen für den Handel zur Verfügung, nachdem Metallbestände physisch besicherter börsengehandelter Produkte herausgerechnet wurden. Der verfügbare Bestand war laut Metals Focus fast doppelt so hoch wie sein Tiefstand vom Oktober 2025.

Die Bestände in börsengehandelten Silberprodukten sind 2026 um etwa 60 Millionen Unzen gesunken und haben damit zuvor in Anlagevehikeln gebundenes Metall freigesetzt. Die Verkäufe von Silberbullionmünzen durch führende Prägestätten gingen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um mehr als 80 % zurück. Im dritten Quartal erholten sie sich etwas, lagen aber weiterhin 22 % unter dem Vorjahreswert.

Zinsen und industrielle Nachfrage prägen den Ausblick

Metals Focus erwartet, dass sich Silber in den kommenden zwölf Monaten weiterhin an Gold orientieren wird, wobei steigende Zinsen und Renditen kurzfristigen Gegenwind für Edelmetalle darstellen. Der jüngste Preisrückgang lässt für sich genommen keine Rückschlüsse auf seine Ursache zu.

Die Beratungsfirma erklärte außerdem, dass hohe Preise den Verbrauch von Schmuck und Silberwaren bremsten, während Bemühungen, in Solarmodulen weniger Silber zu verwenden oder andere Materialien einzusetzen, die industrielle Nachfrage dämpften. Silber könnte laut Metals Focus wieder an Dynamik gewinnen, wenn die Erwartungen einer aggressiven geldpolitischen Straffung im Jahr 2027 nachließen.

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