Französische Anleihen gaben am 19. Oktober 2026 zusammen mit den in Paris notierten Aktien und dem Euro nach, da die Unruhen am Wochenende die Sorgen um die politische Stabilität und die Fähigkeit der Regierung, ihren Haushalt für 2027 zu verabschieden, verstärkten. Der Ausverkauf trieb die maßgeblichen Finanzierungskosten in die Nähe ihres höchsten Stands seit 2002 und erhöhte den Druck auf die ohnehin angespannte Haushaltslage.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen stieg bei fallenden Anleihekursen um mehr als 10 Basispunkte.
  • Die Proteste am Wochenende verschärften die Sorgen über die politische Umsetzbarkeit von Maßnahmen zum Defizitabbau.
  • Die solide Nachfrage bei jüngsten Anleiheauktionen bildete einen Gegenpol zu Warnungen vor einer Staatsschuldenkrise.

Inhaltsverzeichnis

Französische Anleihen über alle Laufzeiten hinweg unter Druck

Der Rückgang erstreckte sich auf kurz- und langfristige Staatsanleihen, während der CAC 40 im nachmittäglichen Handel nachgab. Auch der Euro verlor sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch dem Pfund Sterling an Wert. Dabei handelt es sich um untertägige Bewegungen, nicht um Schlusskurse.

Der Renditeaufschlag Frankreichs gegenüber Deutschland, bekannt als OAT-Bund-Spread, erreichte den höchsten Stand seit der europäischen Staatsschuldenkrise Anfang der 2010er-Jahre. Der Spread misst die zusätzliche Rendite, die Anleger für das Halten französischer statt deutscher Staatsanleihen verlangen.

Höhere Marktrenditen verteuern die Neuaufnahme und Refinanzierung von Schulden; sie verändern nicht unmittelbar die Bewertung sämtlicher ausstehender Staatsanleihen. Anhaltend hohe Finanzierungskosten würden den Defizitabbau jedoch erschweren.

PositionDetails
Rendite zehnjähriger französischer StaatsanleihenAm 19. Oktober um mehr als 10 Basispunkte gestiegen
Rendite zweijähriger französischer StaatsanleihenUm 6 Basispunkte gestiegen
Rendite 30-jähriger französischer StaatsanleihenUm 8 Basispunkte gestiegen
CAC 40Im nachmittäglichen Handel um 1,7 % gefallen
Euro gegenüber dem US-DollarZum angegebenen Beobachtungszeitpunkt um 0,15 % gefallen
Euro gegenüber dem Pfund SterlingZum angegebenen Beobachtungszeitpunkt um 0,1 % gefallen

Unruhen erhöhen den Einsatz bei den Haushaltsverhandlungen für 2027

Am Wochenende marschierten Hunderttausende Menschen wegen der Lebenshaltungskosten, der öffentlichen Dienstleistungen und der politischen Blockade. Bei Demonstrationen in Paris, Lyon und Marseille kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei und Bränden; mehr als 2.000 Menschen wurden festgenommen.

Die Unruhen verstärkten die Unsicherheit darüber, ob die Minderheitsregierung von Premierminister Sébastien Lecornu die Verabschiedung des Haushalts 2027 sicherstellen kann. Das französische Defizit lag bei rund 5 % des BIP, sodass die Regierung vor schwierigen Entscheidungen bei Ausgaben und Steuern steht.

Der parlamentarische Zeitplan für den Haushalt 2027 zeigt, dass die Abgeordneten am 13. Oktober mit der Beratung des Einnahmenteils begonnen haben. Die Beratungen sollten am 27. Oktober wieder aufgenommen und bis zum 2. November fortgesetzt werden; die formelle Abstimmung über diesen Teil war für den 3. November angesetzt. Der Haushalt befand sich noch in der Beratung und war nicht verabschiedet.

Sharon Bell, leitende Strategin für europäische Aktien bei Goldman Sachs, sagte, der Defizitabbau sei ohne schmerzhafte Maßnahmen schwierig, und warnte vor möglichen Erhöhungen der Unternehmenssteuern. Dabei handelte es sich um eine Einschätzung möglicher politischer Entscheidungen, nicht um die Ankündigung bereits beschlossener Steuererhöhungen.

Krisenwarnungen treffen auf Belege für anhaltende Nachfrage

Mike Bell, Leiter der Marktstrategie bei RBC BlueBay Asset Management, bezeichnete eine Staatsschuldenkrise als „sehr reales Risiko“ und argumentierte, die zur Sanierung der öffentlichen Finanzen erforderlichen Maßnahmen seien politisch schwierig.

Es gab auch Hinweise dagegen, den Ausverkauf als bereits laufende Finanzierungskrise zu betrachten. Ken Egan, Senior Director für Staaten bei KBRA, sagte, die Anleiheauktionen der Vorwoche hätten eine „nach wie vor sehr solide zugrunde liegende Nachfrage nach französischen Schuldtiteln“ gezeigt.

Sharon Bell sagte, die derzeitige Lage rechtfertige keine Notfallintervention der Europäischen Zentralbank. Ihre Aussagen unterschieden zwischen steigenden Finanzierungskosten und einer so schweren Störung, dass ein Eingreifen der Zentralbank erforderlich wäre.

Fazit

Der nächste planmäßige Meilenstein im Haushaltsverfahren ist die Wiederaufnahme der Beratungen über den Einnahmenteil am 27. Oktober, vor der Abstimmung über diesen Teil am 3. November. Diese Beratungen werden einen konkreten Prüfstein für die Fähigkeit der Regierung darstellen, ihre finanzpolitischen Pläne voranzubringen.

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