Bending Spoons gab am 14. Oktober 2026 eine neue Investition von Berkshire Hathaway in Höhe von 330 Millionen US-Dollar bekannt und stärkt damit die finanzielle Unterstützung für seine Strategie, etablierte Softwareunternehmen zu kaufen und umzustrukturieren. Die geplante Investition folgt auf Berkshires Zusage von 600 Millionen US-Dollar beim Börsengang des Unternehmens im Juli und würde den Anteil des Konzerns auf 4 % erhöhen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Berkshires jüngste Investition erfolgt im Rahmen einer Privatplatzierung und unterliegt noch den üblichen Abschlussbedingungen.
  • Bending Spoons kauft Unternehmen, um sie langfristig zu betreiben, statt sie für einen Weiterverkauf vorzubereiten.
  • Jüngste Übernahmen haben das Portfolio erweitert, doch Restrukturierungen und die Kundenbindung bleiben wichtige Prüfsteine.

Inhaltsverzeichnis

Bending Spoons sichert sich eine weitere Zusage von Berkshire

Das in Mailand ansässige Technologieunternehmen erklärte, dass bei seiner Privatplatzierung an Berkshire 10 Millionen Stammaktien zu je 33 US-Dollar ausgegeben werden sollen. Zusammen mit der Investition beim Börsengang belaufen sich die angekündigten Zusagen auf insgesamt 930 Millionen US-Dollar. In der Mitteilung wurde die jüngste Transaktion nicht als abgeschlossen dargestellt.

Mitgründer und für Übernahmen zuständiger Manager Francesco Patarnello erklärte, die Investition werde die finanzielle Flexibilität und die Fähigkeit zur Durchführung von Übernahmen stärken. Vorstandschef Luca Ferrari bezeichnete Berkshire als langjährige Inspiration für den Ansatz des Unternehmens.

Nach der Nachricht über die Investition stiegen die Aktien um 41 %, gaben später in der Woche jedoch einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Am 16. Oktober schlossen sie bei 47,07 US-Dollar. Damit erreichte der Börsenwert von Bending Spoons rund 30 Milliarden US-Dollar. Diese Marktreaktion spiegelt die Begeisterung der Anleger wider, ist aber kein Beleg dafür, dass die Übernahmestrategie dauerhaftes Wachstum erzielen wird.

PostenDetails
Preisfestsetzung beim Börsengang30. Juni 2026; 29 US-Dollar je Aktie
Erlös aus dem BörsengangRund 1,7 Milliarden US-Dollar aufgenommen
Handelsdebüt an der Nasdaq1. Juli 2026
Wiederanlage durch Miro-AktionäreBestimmte Aktionäre stimmten im Rahmen der geplanten Transaktion zu, 295 Millionen US-Dollar des Erlöses in neu ausgegebenes Eigenkapital von Bending Spoons zu investieren.

Ein langfristiger Eigentümer mit einem operativen Ansatz, der auf aktives Eingreifen setzt

Bending Spoons unterscheidet sich von Beteiligungsgesellschaften, die Unternehmen verbessern und sie schließlich verkaufen oder an die öffentlichen Märkte zurückführen wollen. Das Unternehmen strebt an, seine Übernahmen zu behalten, Erträge zu erwirtschaften und diese in weitere Zukäufe zu reinvestieren. Nach eigenen Angaben hat es noch nie ein bedeutendes Unternehmen verkauft.

Die Ähnlichkeit mit Berkshire hat Grenzen. Bending Spoons konzentriert sich auf digitale Unternehmen und greift direkt in Technologie, Personal, Produktgestaltung und Preisgestaltung ein. Zum Portfolio gehören Evernote, AOL, Vimeo, Brightcove, Eventbrite und WeTransfer.

Ferrari sagte in einem Interview am 15. Oktober, Übernahmen machten den überwiegenden Teil des Wachstums des Unternehmens aus. Er beschrieb eine anfängliche Phase operativer Verbesserungen, nach der jedes Unternehmen stärker von dem organischen Wachstum abhänge, das sein Markt ermögliche.

Stellenabbau bei Airtable und die geplante Übernahme von Miro

Das operative Modell kann für die Teams übernommener Unternehmen erhebliche Umbrüche bedeuten. Am 12. Oktober erklärte Bending Spoons, dass ein großer Teil der Belegschaft von Airtable aus der Zeit vor der Übernahme das Unternehmen mit umfangreichen Abfindungspaketen verlassen werde. Die Übernahme im Wert von rund 1,3 Milliarden US-Dollar hatte das Unternehmen im August angekündigt und Anfang September abgeschlossen.

Die nächste größere geplante Ergänzung ist die Kollaborationsplattform Miro. Bending Spoons vereinbarte am 10. September deren Übernahme zu einem Unternehmenswert von 1,355 Milliarden US-Dollar. Unter Einbeziehung der Nettobarmittel von Miro ergibt sich ein Eigenkapitalwert von rund 1,79 Milliarden US-Dollar; diese Beträge messen unterschiedliche Größen und sollten nicht als austauschbare Kaufpreise behandelt werden.

Der Abschluss der Miro-Transaktion wird im vierten Quartal 2026 erwartet, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen und anderer üblicher Bedingungen. Bis zum Abschluss sollen die Unternehmen unabhängig voneinander tätig sein.

Auch Kunden können nach Übernahmen Veränderungen erleben. Nach dem Kauf von Evernote erhöhte Bending Spoons im April 2023 den jährlichen Preis des persönlichen Abonnements von 70 auf 130 US-Dollar. Solche Erhöhungen rücken die Frage, ob Kunden einem etablierten Produkt treu bleiben, ins Zentrum der operativen Strategie.

Akquisitionsgetriebenes Wachstum muss sich operativ noch bewähren

In seinem im August veröffentlichten ersten Ergebnisbericht als börsennotiertes Unternehmen meldete Bending Spoons einen Umsatz von mehr als 700 Millionen US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum – und einen Nettogewinn von 177 Millionen US-Dollar, ein Plus von 171 %. Das Wachstum stammte nahezu vollständig aus Übernahmen. Diese Ergebnisse wurden vor dem Abschluss der Airtable-Übernahme und der Ankündigung der Miro-Transaktion veröffentlicht.

Der Unterschied ist wichtig: Der Kauf von Unternehmen kann den ausgewiesenen Umsatz rasch steigern, belegt für sich genommen jedoch nicht, dass bestehende Produkte neue Kunden gewinnen oder wettbewerbsfähiger werden. Künftige Ergebnisse werden deutlicher zeigen, wie sich Restrukturierungen, Preisänderungen und Produktinvestitionen auf die Erträge des vergrößerten Portfolios auswirken.

Fazit

Die nächsten bestätigten Meilensteine sind der Abschluss der Berkshire-Privatplatzierung, vorbehaltlich der entsprechenden Abschlussbedingungen, und der geplante Abschluss der Miro-Übernahme im vierten Quartal. Die folgenden Geschäftsergebnisse werden zeigen, wie sich das wachsende Portfolio über den unmittelbaren Umsatzbeitrag der Übernahmen hinaus entwickelt.

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