Indische Aktien fielen 2026 deutlich, obwohl das reale BIP im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um 7,8 % wuchs. Zum Stand der Momentaufnahme im Oktober 2026 lag der Sensex im Jahresverlauf 15 % im Minus, während der Nifty 50 13,8 % verloren hatte. Der Gegensatz verdeutlicht den Unterschied zwischen einer wachsenden Wirtschaftsleistung und den Gewinn- und Währungsrenditen, die Aktionären zufließen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Starkes BIP-Wachstum ging mit schwächeren Aktienrenditen und niedrigeren Erwartungen für den Jahresgewinn einher.
  • Die Umsätze der Unternehmen stiegen stärker als die operativen Gewinne, während Finanzunternehmen einen Großteil der Gewinnverbesserung beisteuerten.
  • Die Abwertung der Rupie, teures Rohöl und höhere Renditen auf US-Staatsanleihen stellten ausländische Anleger vor zusätzliche Herausforderungen.

Inhaltsverzeichnis

Indische Aktien entwickeln sich anders als die Schlagzeilen zum Wirtschaftswachstum

Die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 zeigten ein nominales BIP-Wachstum von 10,3 % und einen Anstieg der realen Bruttowertschöpfung um 8,2 %. Dienstleistungen, verarbeitendes Gewerbe und Kapitalbildung expandierten kräftig. Diese Kennzahlen beschreiben jedoch die Wirtschaftsaktivität und nicht die Gewinne börsennotierter Unternehmen.

Die Schwäche am Aktienmarkt beschränkte sich nicht auf einen einzelnen Referenzindex. Der Sensex lag 15,6 % unter seinem Höchststand vom September 2024, während dem Rückgang des Nifty 50 im Jahr 2026 ein Plus von 10,5 % im Jahr 2025 vorausgegangen war.

Auch internationale Vergleiche zeigten eine unterdurchschnittliche Entwicklung. Der MSCI India erzielte 2025 in US-Dollar eine Rendite von 4,29 %, verglichen mit 28,59 % beim MSCI Asia Pacific und 34,36 % beim MSCI Emerging Markets. Bis September 2026 war der MSCI India um 14,72 % gefallen, während beide Vergleichsindizes um nahezu 24 % zugelegt hatten. Diese Renditen in US-Dollar unterscheiden sich von den Bewegungen der Indizes in Landeswährung.

PositionDetails
Wachstum im Dienstleistungssektor10 % im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027
Wachstum im verarbeitenden Gewerbe9,2 % im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027
Wachstum der Kapitalbildung11,9 % im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027
Nifty 500In der Momentaufnahme vom Oktober 2026 im Jahresverlauf 8,4 % im Minus
Nifty BankIn der Momentaufnahme vom Oktober 2026 im Jahresverlauf 7,3 % im Minus

Umsatzsteigerungen schlagen sich nicht gleichmäßig in Gewinnen nieder

Die Gewinnzahlen wiesen ein Umsatzwachstum von 18,4 % beim Nifty 50 und von 18,9 % beim Nifty 500 aus. Die operativen Gewinne der Nichtfinanzunternehmen stiegen jedoch lediglich um 5,3 % beziehungsweise 3,5 %, da Verluste im Kraftstoffgeschäft die Margen belasteten.

Energieunternehmen mit Rohölbezug erwirtschafteten nahezu 40 % des Umsatzwachstums des Nifty 500. Höhere Umsätze bedeuteten daher nicht zwangsläufig eine entsprechende Verbesserung der zugrunde liegenden Ertragskraft.

Der Nettogewinn stieg beim Nifty 50 um 11,8 % und beim Nifty 500 um 11,1 %; beim Nifty 500 war dies das geringste Wachstum seit fünf Quartalen. Finanz- und Rohstoffunternehmen steuerten nahezu 95 % des Gewinnanstiegs beim Nifty 50 bei. Ohne Finanzunternehmen lag das Gewinnwachstum des Nifty 500 bei nur 3,2 %.

Auch die Erwartungen schwächten sich ab: Die Konsensschätzung für das Gewinnwachstum der 200 größten Unternehmen im Geschäftsjahr 2027 sank von 16,4 % im März auf 9,2 % im September. Dabei handelte es sich um eine Anpassung der Prognosen und nicht um ein ausgewiesenes Jahresergebnis.

Währung und Öl erschweren die Renditen ausländischer Anleger

Die Rupie wertete im betrachteten Zeitraum von 89,92 auf 96,77 je US-Dollar ab. Diese Abwertung verringerte den US-Dollar-Wert einer ansonsten unveränderten Rupienanlage um rund 7 % und belastete die Rendite zusätzlich zu den Rückgängen der Aktienkurse vor Ort.

Ausländische Portfolioinvestoren zogen von Januar bis zur Momentaufnahme im Oktober 31 Milliarden US-Dollar aus indischen Aktien ab, gegenüber 18,91 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Die Mittelabflüsse fielen mit der Schwäche der Währung zusammen, doch diese Zahlen allein belegen keine eindeutige Ursache für die jeweilige Entwicklung.

Da Indien mehr als 88 % seines Rohölbedarfs durch Importe deckt, war das Land in stärkerem Maße den hohen Ölpreisen ausgesetzt. Brent stieg angesichts des Konflikts in Westasien von 61,98 US-Dollar zu Beginn des Jahres 2026 auf 138,21 US-Dollar am 7. April, bevor der Preis bis zum 6. Oktober auf 125,44 US-Dollar zurückging.

Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe lag am 7. Oktober bei 5,28 %. Höhere Renditen auf Dollaranleihen steigern die außerhalb von Aktien erzielbaren Erträge und sind damit ein weiterer Faktor für Anleger, die ein Engagement in Schwellenländern abwägen.

Die Regulierung von Derivaten ist ein separater politischer Faktor

Das SEBI-Rundschreiben zu Aktienindexderivaten vom Oktober 2024 begründete eine regulatorische Initiative, die auf den Anlegerschutz und die Marktstabilität abzielte. Sein Datum zeigt, dass die Initiative dem Marktrückgang von 2026 vorausging; aus dem Rundschreiben selbst lässt sich jedoch nicht ableiten, in welchem Umfang es die späteren Aktienrenditen oder die Beteiligung von Händlern beeinflusst hat.

Diese Unterscheidung ist für die Beurteilung der Marktentwicklung wichtig: Regulierungsänderungen, Gewinne, Wechselkurse und internationale Finanzierungsbedingungen sind voneinander getrennte Einflussfaktoren. Starkes BIP-Wachstum allein beantwortet nicht die Fragen, die sich Aktionären bei jedem einzelnen dieser Faktoren stellen.

Fazit

Die Lage im Oktober 2026 war von einer starken Wirtschaftsleistung, aber einem uneinheitlichen Gewinnwachstum und schwächeren Renditen in ausländischer Währung geprägt. Die folgenden Unternehmenszahlen werden weitere Hinweise darauf liefern, ob sich die Umsatzsteigerungen in einer breiteren Verbesserung der Ertragskraft niederschlagen; der gesenkte Konsens für das Geschäftsjahr 2027 bleibt eine Prognose.

Weitere Nachrichten lesen

Weitere Nachrichten von FinanceVelix

Haftungsausschluss

Dieser FinanceVelix-Artikel enthält allgemeine Informationen und stellt keine persönliche Finanz-, Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Marktpreise, Zinssätze und wirtschaftliche Bedingungen können sich ändern; Anlagen sind mit Verlustrisiken verbunden. Die Angaben entsprechen dem zum Zeitpunkt der Veröffentlichung verfügbaren Informationsstand und können sich ändern. Prüfen Sie wichtige Informationen unabhängig und wenden Sie sich bei Bedarf an eine qualifizierte Fachkraft. Die Erwähnung eines Vermögenswerts, eines Unternehmens oder einer Dienstleistung stellt keine Empfehlung dar.