Der Gewinn von Harju Elekter ging im dritten Quartal 2026 zurück, da verzögerte Projekte und unterausgelastete Werke den Umsatz belasteten. Der Elektrotechnik-Konzern meldete einen Umsatz von 41,0 Mio. €, 4,8 % weniger als ein Jahr zuvor, und einen Nettogewinn von 1,3 Mio. €, ein Rückgang um 54,7 %. Dennoch war das Quartal hinsichtlich der Profitabilität das stärkste des Jahres, während ein neuer Auftrag für ein finnisches Rechenzentrum den Auftragsbestand stärkte.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Die operative Marge erreichte im dritten Quartal 5,7 % und lag damit über dem Mindestziel des Konzerns von 5 %, aber unter den 8,7 % des Vorjahres.
  • Ein finnischer Auftrag für ein Rechenzentrum im Wert von rund 15,5 Mio. € stützte das Auftragswachstum, während Harju Elekter seine Produktionskapazität ausbaute.
  • Das Management richtet den finnischen Betrieb stärker auf höherwertige Projekte aus und bemüht sich um zusätzliche Aufträge für das litauische Werk.

Inhaltsverzeichnis

Der Gewinn von Harju Elekter zeigt eine uneinheitliche Erholung

Die am 22. Oktober veröffentlichten ungeprüften Ergebnisse zeigen eine Verbesserung gegenüber dem ersten Halbjahr, ohne dass die Profitabilität des Vorjahres wieder erreicht wurde. Der operative Gewinn im dritten Quartal sank im Jahresvergleich um 38,2 % auf 2,3 Mio. €, obwohl die operative Marge das Mindestziel des Konzerns übertraf.

Von Januar bis September 2026 ging der Umsatz um 6,6 % auf 118,2 Mio. € zurück. Der operative Gewinn sank um 61,4 % auf 3,9 Mio. €, und der Nettogewinn fiel um 80,3 % auf 1,6 Mio. €. Die operative Marge der ersten neun Monate betrug 3,3 %, verglichen mit 8,0 % ein Jahr zuvor.

Das Management erklärte, dass sich ein Teil der geplanten Produktion erneut verzögert habe, weil zuvor verschobene Projekte teilweise von der Lieferung kundenspezifischer Komponenten abhängig gewesen seien. Auch die Auslastung blieb in mehreren Einheiten hinter den Erwartungen zurück, insbesondere in Litauen, wo es an Aufträgen mangelte.

PositionEinzelheiten
EBITDA im dritten Quartal3,486 Mio. € im Jahr 2026 gegenüber 4,840 Mio. € im Jahr 2025; Rückgang um 28,0 %.
Gewinn je Aktie im dritten Quartal0,07 € im Jahr 2026 gegenüber 0,16 € im Jahr 2025.
Bruttogewinn der ersten neun Monate17,482 Mio. € im Jahr 2026 gegenüber 20,564 Mio. € im Jahr 2025.
Investitionen in langfristige Vermögenswerte in den ersten neun Monaten5,5 Mio. € im Jahr 2026 gegenüber 2,9 Mio. € im Jahr 2025.
Liquide Mittel am 30. September 20261,484 Mio. €, verglichen mit 1,545 Mio. € am 31. Dezember 2025.

Niedrigere Volumina belasten die Kosten, während der Umsatz in den nordischen Ländern wächst

Niedrigere Produktionsvolumina verschlechterten die Deckung der Fixkosten und verringerten die Bruttomarge im dritten Quartal von 17,3 % auf 16,6 %. Die betrieblichen Aufwendungen sanken um 2,0 %, doch die Arbeitskosten stiegen um 9,0 % auf 9,2 Mio. €, da der Konzern Beschäftigte und Kapazitäten für anstehende Projekte vorhielt.

Auch die Vertriebs- und Verwaltungsausgaben nahmen zu. Harju Elekter führte die höheren Vertriebskosten auf Investitionen in Vertriebsteams, Marketing und internationale Fachmessen zurück, die künftige Umsatzvolumina unterstützen sollen.

Finnland und Schweden glichen Rückgänge in anderen Märkten teilweise aus. Zusammen entfielen auf sie 60,1 % des Quartalsumsatzes, verglichen mit 41,7 % ein Jahr zuvor. Der Umsatz der ersten neun Monate stieg in Finnland um 19,0 % und in Schweden um 50,8 %, während Norwegen und Estland projektbedingt und aufgrund starker Vorjahresvergleiche Rückgänge verzeichneten.

Die Nachfrage nach Rechenzentren treibt Aufträge und Werksausbau an

Im dritten Quartal unterzeichnete Harju Elekter einen Vertrag im Wert von rund 15,5 Mio. € über die Planung und Herstellung von E-House-Lösungen für ein in Finnland geplantes Rechenzentrum. Das Management bezeichnete Investitionen in Rechenzentren als wichtigsten Treiber des Auftragseingangswachstums.

Die Produktbeschreibung von Harju Elekter zu E-Houses erläutert, wie diese werkseitig montierten elektrischen und mechanischen Einheiten die Stromverteilung und die Infrastruktur von Rechenzentren unterstützen. Die Montage und Prüfung im Werk können die Installationsarbeiten am Standort des Kunden verkürzen.

Der Konzern stellte zum Ende des Quartals in Keila eine neue Produktionsstätte mit 4.000 Quadratmetern fertig. Damit stieg die gesamte Produktionsfläche der dortigen Werke auf 30.000 Quadratmeter. In der Erweiterung sollen elektrische Ausrüstung und Stromsteuerungslösungen für Rechenzentrumskunden in Europa und anderen Märkten hergestellt werden.

Diese Aufträge und Investitionen erweitern die künftige Lieferkapazität des Konzerns, sind aber nicht mit bereits erzielten Umsätzen gleichzusetzen. Die jüngsten Verzögerungen bei Komponenten im Quartal verdeutlichen, wie wichtig es ist, den Auftragsbestand in abgeschlossene Projekte umzusetzen.

Änderungen in der Fertigung zielen auf eine ausgewogenere Auslastung

Da die Auslastung der estnischen Einheiten steigt, will Harju Elekter einen größeren Teil der Konzernproduktion nach Litauen verlagern und den Kundenstamm dieses Werks über seine historische Konzentration auf Aufträge aus dem Marinesektor hinaus erweitern. Das Management erklärte, laufende Ausschreibungen und Projekte böten Möglichkeiten für eine zusätzliche Produktion in Litauen.

In Finnland plant der Konzern, die Auftragsfertigung mit geringerer Wertschöpfung schrittweise zurückzufahren und Ressourcen auf größere Projekte mit höheren Margen umzulenken. Das Management erklärte, ein Geschäftsmodell, das in erster Linie auf dem Verkauf von Kapazitäten und Arbeitsstunden basiere, sei in einem Umfeld mit hohen Kosten weniger wettbewerbsfähig geworden.

Nach Ende des Quartals nahm Harju Elekter ein Angebot von Siemens International Holding B.V. zum teilweisen Verkauf seiner Beteiligung an der Skeleton Technologies Group an. Das Unternehmen erklärte, die Transaktion werde seine ursprüngliche Investition zuzüglich einer Rendite zurückführen und die finanzielle Flexibilität verbessern, während es einen verbleibenden Anteil behalte. Die Annahme des Angebots belegt nicht, dass der Verkauf abgeschlossen wurde.

Fazit

Der Gewinn von Harju Elekter liegt trotz einer Verbesserung der Profitabilität im Jahresverlauf 2026 weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2025. Die nächste operative Bewährungsprobe besteht darin, den wachsenden Projektauftragsbestand über die erweiterte Anlage in Keila abzuarbeiten, gleichzeitig die Auslastung in Litauen zu erhöhen und den Schwerpunkt in Finnland auf höherwertige Aufträge zu verlagern.

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