Die soziale Inflation treibt die Kosten für Haftpflichtschäden in der US-amerikanischen Kfz-Versicherung für Gewerbekunden weiterhin stärker nach oben als die allgemeine Teuerung. Das erschwert Rückstellungsschätzungen der Versicherer und belastet ihre Finanzergebnisse, teilte AM Best in einem am 19. Oktober 2026 angekündigten Sonderbericht mit. Der Druck wirkt sich auch auf die Exzedentenversicherung aus, da größere Schäden die Deckungsgrenzen der zugrunde liegenden Policen überschreiten.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Zahlungen für Schäden in den ersten zwölf Monaten in der Kfz-Haftpflichtversicherung für Gewerbekunden stiegen von 2014 bis 2024 mehr als doppelt so schnell wie die wirtschaftliche Inflation.
  • Größere Kfz-Schäden reichen inzwischen bis in die Exzedentenversicherung hinein und tragen dazu bei, dass sich deren Preisentwicklung von den Tarifen der allgemeinen Haftpflichtversicherung entfernt.
  • Länger laufende Schadenfälle erhöhen die Unsicherheit bei Rückstellungen. AM Best verweist zugleich auf die Reformen des Deliktsrechts in Florida als Hinweis auf eine mögliche Entlastung bei den Kosten.

Inhaltsverzeichnis

Soziale Inflation vergrößert die Lücke bei den Schadenkosten

AM Best definiert soziale Inflation als einen Anstieg der Kosten für Versicherungsansprüche, der aufgrund rechtlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen schneller ausfällt als die allgemeine wirtschaftliche Inflation. Als Einflussfaktoren nennt die Ratingagentur höhere Geschworenenurteile, mehr Gerichtsverfahren und eine breitere Auslegung der Haftung.

In seiner Ankündigung des Sonderberichts teilte AM Best mit, dass die Zahlungen für Haftpflichtschäden in der Kfz-Versicherung für Gewerbekunden, die in den ersten zwölf Monaten eines Schadenfalls geleistet wurden, von 2014 bis 2024 jährlich um mehr als das Doppelte der Inflationsrate stiegen. Der Vergleich bezieht sich auf frühe Zahlungen und nicht auf die endgültigen Kosten jedes Schadenfalls.

Diese Unterscheidung ist für Rückstellungen wichtig: Bereits geleistete Zahlungen erfassen nicht alle Beträge, die Versicherer letztlich möglicherweise schulden. AM Best erklärte, dass steigende endgültige Schadenkosten diese Schätzungen unsicherer gemacht haben.

PositionDetails
Wirtschaftliche Inflation, 2014–2024Durchschnittlich 2,8 % pro Jahr.
Zahlungen für Schäden in den ersten zwölf Monaten in der Kfz-Haftpflichtversicherung für Gewerbekunden, 2014–2024Anstieg um 6,4 % pro Jahr.
Typische Deckungssumme einer Kfz-Haftpflichtpolice für Gewerbekunden1 Mio. $; Schäden oberhalb dieser Grenze können, sofern entsprechender Versicherungsschutz besteht, von der Exzedentenversicherung erfasst werden.

Größere Kfz-Schäden erreichen Exzedentenpolicen

Eine Exzedentenversicherung bietet zusätzlichen Haftpflichtschutz, wenn ein gedeckter Schaden die Deckungsgrenze einer zugrunde liegenden Police überschreitet. Werden Kfz-Schäden von Gewerbekunden teurer, können sie bis in diese zusätzliche Deckungsschicht reichen, sofern der entsprechende Versicherungsschutz besteht.

AM Best zufolge entwickelten sich die Preise für die Exzedentenversicherung bis 2018 parallel zu denen der allgemeinen Haftpflichtversicherung. Anschließend gingen sie auseinander, als kostspieligere Kfz-Schäden auf die Exzedentendeckung übergriffen. Das frühere Preisniveau wurde seither nicht wieder erreicht.

Für Unternehmen, die Haftpflichtschutz erwerben, können die Folgen daher über die primäre Kfz-Police hinausgehen. „Diese Faktoren können anschließend zu höheren Versicherungsprämien führen“, sagte Christopher Graham, leitender Branchenanalyst bei AM Best.

Schadendauer und Rechtsreformen prägen den Ausblick

Bei länger offenen Schadenfällen besteht eine größere Gefahr, dass sich Präzedenzfälle von Geschworenengerichten auswirken. Außerdem fallen dabei mit höherer Wahrscheinlichkeit erhöhte Schadenregulierungskosten an, so AM Best. Die Ratingagentur stellte zudem fest, dass die Häufigkeit von Kfz-Schäden bei Gewerbekunden im vergangenen Jahrzehnt nach Bereinigung um die Abwicklungsquoten gestiegen ist. Dies erhöht die Unsicherheit hinsichtlich der Differenz zwischen bereits geleisteten und erwarteten künftigen Zahlungen.

AM Best nannte die jüngsten Reformen des Deliktsrechts in Florida als Gegengewicht zu den Kosten der Prozessführung. Nach Angaben der Ratingagentur trugen die Änderungen dazu bei, übermäßige Prozesskosten auszugleichen und einen Abwärtstrend bei der durchschnittlichen Höhe ausgezahlter Schäden zu unterstützen. Diese Beobachtung bezieht sich auf Florida und ist keine Prognose, dass die Kosten im gesamten US-amerikanischen Haftpflichtmarkt sinken werden.

Fazit

Für die Rückstellungsschätzungen der Versicherer wird es nun darauf ankommen, wie ausstehende Schadenfälle abgewickelt werden. Die Ergebnisse von AM Best zeigen, warum sowohl die endgültigen Schadenkosten als auch die Dauer der Schadenregulierung wichtige Indikatoren für den Haftungsdruck bleiben.

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