Die Refinanzierung über europäische Unternehmensanleihen ist für Unternehmen teurer geworden: Die Renditen von Anleihen mit Investment-Grade-Rating stiegen auf 4,4 %, während die Finanzierungskosten für Hochzinsanleihen 7 % erreichten, wie Analysten von Goldman Sachs mitteilten. Die Anstiege erfolgen parallel zu ebenfalls gestiegenen Renditen von Staatsanleihen, auch wenn allein aus diesen Bewegungen nicht hervorgeht, wodurch die Neubewertung von Unternehmensanleihen verursacht wurde.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Die Renditen europäischer Anleihen mit Investment-Grade-Rating stiegen seit Anfang September um etwa 30 Basispunkte, während die Finanzierungskosten für Hochzinsanleihen um rund 90 Basispunkte zulegten.
- Goldman zufolge sind Unternehmen mit kurzfristigem Refinanzierungsbedarf oder einem hohen Anteil variabel verzinster Schulden besonders gefährdet.
- Die Bank erwartet kein systemisches Kreditereignis, sieht jedoch, dass die Schuldenkosten einige Unternehmen einschränken.
Europäische Unternehmensanleihen und Staatsanleiherenditen
In einer Mitteilung vom 23. Oktober 2026 erklärte Goldman, dass sich die Spreads europäischer Anleihen mit Investment-Grade-Rating gegenüber dem risikofreien Zinssatz von Staatsanleihen seit Anfang September um etwa 24 Basispunkte auf 117 Basispunkte ausgeweitet hätten. Die Spreads von Hochzinsanleihen weiteten sich um 94 Basispunkte auf 354 Basispunkte aus.
Die Renditen französischer 10-jähriger Staatsanleihen stiegen am 21. Oktober erstmals seit 2002 über 5 %. Ihr Spread gegenüber 10-jährigen deutschen Bundesanleihen erreichte am folgenden Tag einen Höchststand von über 177 Basispunkten. Die Finanzierungskosten für Staats- und Unternehmensanleihen sind beide gestiegen; daraus allein lässt sich jedoch kein direkter Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ableiten.
Welche Unternehmen stehen am stärksten unter Druck?
Goldman nannte eine schwache Cashflow-Generierung, begrenzte Preissetzungsmacht, kurzfristigen Refinanzierungsbedarf und einen hohen Anteil variabel verzinster Schulden als potenzielle Schwachstellen. Unternehmen, die fällige Schulden refinanzieren, müssen diese möglicherweise zu höheren Zinssätzen ersetzen, während sich die Zinskosten variabel verzinster Schulden mit Änderungen der Zinssätze anpassen können.
Den Analysten zufolge stiegen die Zinsaufwendungen der Unternehmen im Stoxx 600 seit 2022 von 1,25 % auf 1,85 % des Umsatzes und schmälerten im selben Zeitraum die Gewinne um mehr als 5 %. Sie schätzten, dass ein Viertel der Schulden im Index innerhalb von zwei Jahren refinanziert werden muss und ein weiteres Viertel variabel verzinst ist.
Die Unternehmensleitungen könnten darauf reagieren, indem sie sich auf den Schuldenabbau konzentrieren, wodurch potenziell weniger Kapital für Investitionen oder Ausschüttungen an Aktionäre zur Verfügung stünde, so die Analysten.
Das breitere Finanzierungsumfeld
Frühere Forschungen der Europäischen Zentralbank zu Ansteckungseffekten des Kreditrisikos von Staaten auf Unternehmen beschreiben, wie sich staatliche Belastungen über fiskalische Maßnahmen und ungünstigere Kreditvergabebedingungen der Banken auf Unternehmen auswirken können. Die Untersuchung befasst sich mit einem früheren Zeitraum und belegt nicht die Ursache der Marktbewegungen von 2026.
Goldman erwartet außerdem, dass die Anleiheemissionen von US-amerikanischen Hyperscalern von 250 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf 420 Milliarden US-Dollar im Jahr 2027 steigen werden, da große Technologieunternehmen Finanzmittel aufnehmen wollen. Die Bank sieht steigende Schuldenkosten als zunehmende Belastung für einige Unternehmen, erklärte jedoch, dass sie kein systemisches Kreditereignis erwartet.
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