Definition
Ein Bullenmarkt ist eine längere Phase steigender Kurse, ein Bärenmarkt eine längere Phase fallender Kurse. Die Begriffe beschreiben die grobe Richtung eines Marktes, einer Anlageklasse oder eines einzelnen Vermögenswerts über Monate statt über Tage.
So funktioniert es
Für keinen der beiden Begriffe gibt es eine offizielle Regel. Eine am Aktienmarkt verbreitete Konvention spricht bei einem Rückgang von 20 % oder mehr gegenüber einem jüngsten Hoch von einem Bärenmarkt und bei einem Anstieg von 20 % oder mehr gegenüber einem Tief vom Beginn eines Bullenmarkts. Rückgänge von 10 % bis 20 % werden oft als Korrekturen bezeichnet. Diese Schwellen sind Konventionen von Analysten und Medien, keine Definitionen einer Börse oder Aufsichtsbehörde.
Im Kryptobereich werden die Begriffe lockerer verwendet, auch weil Bewegungen von 20 % dort selbst innerhalb eines längeren Trends üblich sind. Bullen- und Bärenmärkte bei Kryptowährungen werden oft anhand der Gesamtrichtung über viele Monate beschrieben, danach, ob der Kurs über oder unter einem langfristigen gleitenden Durchschnitt liegt, oder danach, wie weit der Kurs von seinem bisherigen Allzeithoch entfernt ist.
Länge und Tiefe früherer Bullen- und Bärenmärkte schwanken stark, daher gibt es keine typische Dauer, auf die man sich verlassen könnte. Eine Phase wird meist erst im Nachhinein bestätigt, wenn Hoch oder Tief feststehen. Kurze Erholungen in einem Bärenmarkt und scharfe Rücksetzer in einem Bullenmarkt sind häufig; eine einzelne starke oder schwache Woche ändert daher nichts an der Einordnung.
Beispiel (hypothetische Zahlen)
Angenommen, Index X steigt über 18 Monate von 4.000 Punkten auf ein Hoch von 5.000 Punkten.
Der Anstieg beträgt (5.000 − 4.000) ÷ 4.000 = 25 %, ein anhaltender Zuwachs, der meist als Bullenmarkt beschrieben wird.
Danach fällt der Index auf 3.900: (3.900 − 5.000) ÷ 5.000 = −22 %, also über die übliche 20-%-Schwelle für einen Bärenmarkt hinaus.
Erholt er sich anschließend auf 4.500, liegt er noch (4.500 − 5.000) ÷ 5.000 = −10 % unter dem Hoch.
Die Bezeichnungen beschreiben Bewegungen, die bereits stattgefunden haben; sie sagen nicht, wie lange die nächste Phase dauert.
Häufige Fehler
- Die 20-%-Schwelle als offizielle Regel statt als Konvention behandeln.
- Nach einer einzigen starken oder schwachen Woche einen neuen Bullen- oder Bärenmarkt ausrufen.
- Annehmen, der nächste Bullen- oder Bärenmarkt werde so lange dauern wie der vorherige.
Passende Rechner
Dieses Glossar dient ausschließlich Bildungszwecken und ist keine Anlageberatung. Die Beispiele beruhen auf hypothetischen Zahlen.