Definition
Liquidität beschreibt, wie leicht sich ein Vermögenswert schnell kaufen oder verkaufen lässt, ohne seinen Kurs stark zu bewegen. Ein liquider Markt hat viele Käufer und Verkäufer, einen engen Spread zwischen Geld- und Briefkurs und reichlich Orders nahe dem aktuellen Kurs.
So funktioniert es
An einer Börse stellen Käufer Gebote (Bids) und Verkäufer Angebote (Asks) zu unterschiedlichen Preisen ein; zusammen bilden sie das Orderbuch. Liquidität zeigt sich auf zwei Arten. Der Spread, also der Abstand zwischen bestem Gebot und bestem Angebot, ist eng. Und das Orderbuch ist tief, das heißt, zu Preisen nahe dem aktuellen Kurs warten große Mengen. Trifft beides zu, lässt sich eine große Order ausführen, ohne den Kurs weit zu verschieben. In einem dünnen Markt verbraucht dieselbe Order die besten Angebote und setzt sich zu schlechteren Preisen fort; das nennt man Slippage.
Das Handelsvolumen hängt damit zusammen, ist aber nicht dasselbe. Das Volumen zählt, was in einem Zeitraum bereits gehandelt wurde, während Liquidität beschreibt, was sich jetzt zu vertretbaren Kosten handeln ließe. Ein Markt kann ein hohes Volumen zeigen und trotzdem ein dünnes Orderbuch haben, vor allem wenn ein Teil des Volumens aus Wash Trading stammt, bei dem dieselbe Partei mit sich selbst handelt.
Liquidität verändert sich auch mit der Zeit. Sie ist meist geringer bei kleinen Coins und Aktien, außerhalb der Haupthandelszeiten und bei starken Bewegungen, wenn Market Maker – Händler, die ständig Kauf- und Verkaufsorders stellen – ihre Orders zurückziehen können. Sie schrumpft tendenziell genau dann, wenn viele Trader gleichzeitig aussteigen wollen; ein Markt, der an einem ruhigen Tag liquide wirkt, ist es in einem Crash womöglich nicht.
Beispiel (hypothetische Zahlen)
Angenommen, Sie möchten je 2.000 Einheiten von Coin X und Coin Y kaufen, und beide haben einen Mittelkurs von 10,00 $.
Bei Coin X werden 5.000 Einheiten zu 10,01 $ angeboten, die ganze Order wird also dort ausgeführt: 2.000 × 10,01 $ = 20.020 $, das sind 20 $ (0,1 %) mehr als 2.000 × 10,00 $ = 20.000 $.
Bei Coin Y werden nur 500 Einheiten zu 10,05 $, 500 zu 10,20 $ und 1.000 zu 10,50 $ angeboten: 5.025 $ + 5.100 $ + 10.500 $ = 20.625 $, im Durchschnitt etwa 10,31 $, rund 3,1 % über dem Mittelkurs.
Dieselbe Order kostet im dünneren Markt 605 $ mehr, obwohl beide Coins denselben Kurs zeigen.
Häufige Fehler
- Ein hohes Handelsvolumen als Beweis für einen liquiden Markt werten.
- Die Liquidität an einem ruhigen Tag beurteilen und annehmen, sie sei auch bei einem heftigen Ausverkauf noch vorhanden.
- In einem dünnen Markt eine große Market-Order platzieren, ohne die Tiefe des Orderbuchs zu prüfen.
Passende Rechner
Dieses Glossar dient ausschließlich Bildungszwecken und ist keine Anlageberatung. Die Beispiele beruhen auf hypothetischen Zahlen.